Abolitionismus: Tierausbeutung abschaffen, nicht reformieren

Abolitionismus bedeutet Abschaffung. Analog zum historischen Abolitionismus (der Abschaffung der Sklaverei) wird damit heute die Forderung nach Abschaffung der Tierausbeutung und Etablierung von Tierrechten bezeichnet. Er richtet sich gegen den Reformismus, der durch den Neuen Tierschutz vertreten wird (siehe Basisinformationen). Der Veganismus ist die persönliche Basis eines jeden Tierrechtlers.

17. Dezember 2009

Historischer Radikalismus

Totale Abschaffung zu fordern ist zu radikal, Veganismus statt Vegetarismus zu fordern "verschreckt" die Menschen und wirkliche Tierrechte statt Tierschutzverbesserungen erreichen zu wollen, sei aussichtslos. Das hört man oft und auch hier bietet die Geschichte hervorragende Parallelen.

Z.B. in Hinblick auf den historischen Abolitionisten William Lloyd Garrison, der sich nebenbei bemerkt auch nicht 'nur' für einen Bereich einsetzte, sondern auch Frauenrechte und Pazifismus unterstützte.

(Quellen: Handwörterbuch der Kriminologie, wikipedia, sewanee.edu)



Radikalismus statt Reformismus

Zitat:

Während andere Abolitionisten jener Zeit für einen schrittweise [!sic] erfolgenden Weg in die Emanzipation plädierten, argumentierte Garrison für die "sofortige und vollständige Befreiung aller Sklaven".


Zitat:

In speaking engagements and through the Liberator and other publications, Garrison advocated the immediate emancipation of all slaves. This was an unpopular view during the 1830s, even with northerners who were against slavery.


Unpopulär weil es - Überraschung - zu "radikal" war: "Some members of the Anti-Slavery Society considered the organization to be too radical."


Zitat:

He became associated with the American Colonization Society [...]. However, it turned out that the number of members advocating manumission constituted a minority. Most members had no wish to free slaves; their goal was only to reduce the numbers of free blacks in the country and thus help preserve the institution of slavery.

By 1830 Garrison had rejected the programs of the American Colonization Society.


Die Parallele ist auch hier frappierend: genauso wie angebliche Sklavenbefreier nur die Sklaverei etwas schöner aussehen lassen wollten, um sie zu erhalten (und nicht etwas "schrittweise" abzuschaffen), unterstützen heute die neuen Tierschützer, die meinen nur über Reformen sei die Tierausbeutung abschaffbar, diese selbst und erhalten sie.

Zitat:

In the Liberator Garrison not only attacked slave-holders but the "timidity, injustice and absurdity" of the gradualists.


"Gradualismus" ist die Politik "in kleinen Schritten" (woher kommt mir das nur bekannt vor?), die er hier als ängstlich, unrecht und absurd bezeichnet.



Mit einem rassistischen Gesetz können keine Verbesserungen erzielt werden


Zitat:

Auf den besorgten Einwand auf eine Rede Garrisons, die Sklaverei werde durch die Verfassung der Vereinigten Staaten geschützt, antwortete Garrison, wenn dieses zutreffe, dann müsse man diese Verfassung verbrennen.


Zitat:

Douglass glaubte mit Lysander Spooner und Gerrit Smith, die Verfassung erlaube die Emanzipation, während Garrison Exemplare der Verfassung am 4. Juli 1854 während eines Meetings der Abolitionisten in Framingham, Massachusetts öffentlich verbrannte und sie als ein Dokument der Sklaverei brandmarkte.


Auch heute in Bezug auf das speziesistische "Tierschutzgesetz" haben viele immer noch nicht begriffen, daß sich damit (und allem, was auf die angebliche "Verbesserung" der Lebensbedingungen zielt) keine Fortschritte erzielen lassen.



Deutliche Sprache

Zitat:

1830 wurde er zu einer sechswöchigen Haftstrafe wegen Beleidigung inhaftiert, da er in einem Artikel des Genius einen Sklavenhändler "Räuber und Mörder" genannt hatte"


Zitat:

I am aware that many object to the severity of my language; but is there not cause for severity? I will be as harsh as truth, and as uncompromising as justice. On this subject, I do not wish to think, or to speak, or write, with moderation. No! no! Tell a man whose house is on fire to give a moderate alarm; tell him to moderately rescue his wife from the hands of the ravisher; tell the mother to gradually extricate her babe from the fire into which it has fallen; -- but urge me not to use moderation in a cause like the present. I am in earnest -- I will not equivocate -- I will not excuse -- I will not retreat a single inch -- AND I WILL BE HEARD.


Ich registriere zahlreiche Einwände gegen die Härte meiner Sprache; doch gibt es nicht Gründe für diese Härte? Ich bin so rau wie die Wahrheit, und so kompromisslos wie die Gerechtigkeit. In dieser Hinsicht werde ich weder moderat denken, sprechen noch schreiben. Nein! Nein! Erklären Sie einem Mann, dessen Haus brennt, moderat Alarm zu schlagen; bitten Sie ihn, seine Frau ein Stück weit aus den Händen des Vergewaltigers zu retten; erklären Sie einer Mutter ihr ins Feuer gefallene Baby stufenweise heraus zu holen; – aber drängen Sie mich nicht zu Mäßigung in einem Fall wie diesem. Es ist mir ernst – Ich gebrauche keine Ausflüchte – Ich entschuldige mich nicht – Ich weiche keinen Millimeter zurück; – ABER ICH WERDE GEHÖRT.



Wirkung


Bleibt noch zu fragen, ob es funktionierte:

Zitat:

Die Gradualisten setzten auf die Überzeugung von Plantagenbesitzern und den Freikauf sowie die Rücksiedlung von Sklaven nach Afrika - eine Strategie, der zwar der westafrikanische Staat Liberia seine Gründung verdankt, die die aber zwischen 1821 und 1867 nur ca. 6000 Schwarze die Rückkehr nach Afrika ermöglichte, während durch den Sklavenschmuggel selbst um 1850 herum noch jährlich ca. 50 000 nach Amerika transportiert wurden. Abolitionisten wie William Lloyd Garrison (1805-1879) hingegen, der Gründer der Zeitschrift The Liberator (1831) sowie der American Anti-Slavery Society (1833), prangerten die Sklaverei als nationale Sünde an und forderten in kompromißloser Weise ihre sofortige und bedingungslose Abschaffung. Garrisons Radikalität war zwar vielen Zeitgenossen suspekt und führte u.a., als er partout auch Frauen die Mitgliedschaft in der abolitionistischen Gesellschaft ermöglichen wollte, zu deren Spaltung und vorläufigem Niedergang (1839), doch läßt sich andererseits nicht verkennen, daß die Abolitionisten das politische Klima und die Ereignisse, die zu Sezession, Bürgerkrieg und Sklavenbefreiung in den USA (1865) führten, entscheidend beeinflußten.


Das heißt für heute: auch wenn man mit jetzigen radikalen Forderungen nach Abolitionismus und Veganismus weder die Tierausbeutung noch die Unveganität der Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten beseitigen werden kann, ist das kein Grund, ineffektiv zu arbeiten (und Reformismus und Vegetarismus zu unterstützen), denn effektiv ist eine Strategie, die wirkliche und nachhaltige Fortschritte erzielt (auch wenn es länger dauert) und keine schnellen Pseudofortschritte (wie ein bißchen größere Käfige oder Menschen, die "weniger Fleisch" essen).

Rassismus- und Sklaverei-Parallelen

Die markanten Parallelen zwischen Speziesismus und anderen Formen der systematischen Unterdrückung sind bekannt, das betrifft insbesondere Rassismus und Theismus. Die "Argumente" gleichen sich zum Teil so stark, daß bei historischen Aussagen lediglich die Bezeichnungen der jeweiligen Opfer ausgetauscht werden müssen und man erhält Sätze, wie sie bei heutigen Speziesisten Alltag sind.

Hier sind ein paar Originalzitate v.a. von Gegnern des historischen Abolitionismus bzw. Sklaverei-Verteidigern und Rassismus-Theoretikern aus USA und Großbritannien gesammelt. Dies waren nicht etwa irgendwelche Hobbyautoren, sondern größtenteils (hochrangige) Politiker und "angesehene" Wissenschaftler.

Die Parallelen zeigen sich dabei nicht nur in der Argumentation, sondern auch sehr auffällig in den Rechtfertigungsversuchen und dem Reformismus als Ausweichstrategie gegen den Druck durch die erhobenen Vorwürfe.


(Auffällig, aber bisher wenig beachtet, sind zu dieser Zeit auch die ageistischen Rechtfertigungen, indem Sklaven als Kinder bezeichnet, als unterentwickelt und unintelligent dargestellt werden und daraus die Notwendigkeit hergeleitet wird, daß sie von einer 'älteren' und klügeren Person (die natürlich nur das Beste für sie wolle), "geführt" werden müßten ("and a master may, in an important sense, be the guardian and even father of his slaves").)

Die Übersetzungen folgenden der Sprecherabsicht, d.h. ohne Veränderung der rassistischen Ausdrücke oder Enteuphemisierung der Euphemismen.


Herrenrasse, Herrenspezies

Zitat:

In 1842 I published a short essay on Hybridity, the object of which was, to show that the White Man and the Negro were distinct "species;"

1842 habe ich einen kurzen Aufsatz über Hybridität veröffentlich, dessen Absicht es war, zu zeigen, daß der Weiße Mann und der Neger verschiedene "Spezies" sind;


The Negro and other unintellectual types have been shown, in another chapter, to possess heads much smaller, by actual measurement in cubic inches, than the white races; [...] it can not be denied that these dark races are, in this particular, greatly inferior to the others of fairer complexion.

Für die Neger und andere unintellektuelle Arten wurde in einem anderen Kapitel anhand genauer Messungen in Kubikzoll gezeigt, daß sie wesentlich kleinere Köpfe besitzen als weiße Rassen; [...] es kann nicht verleugnet werden, daß diese dunkelhäutigen Rassen, in dieser Hinsicht, den anderen Rassen hellerer Hautfarbe weit unterlegen sind.


(Josiah Clark Nott; George R. Glidden: Types of Mankind, Lippincott, Grambo & Co., Philadelphia 1854)


Zitat:

In the last place, the negro race is inferior to the white race

Letztendlich ist die Negerrasse der weißen Rasse unterlegen


(George Fitzhugh: Negro Slavery (Kap. V: Sociology for the South, or the Failure of Free Society), A Morris, Richmond 1854 ^)



Ohne ... kann der Mensch nicht leben

Zitat:

holding slaves is indeed indefensible, but [..] to us it is necessary, and must be supported.

Sklaven zu halten ist in der Tat unentschuldbar, aber [..] für uns besteht die Notwendigkeit und das muß unterstützt werden.


(Richard Furman: "Exposition of the Views of the Baptists Relative to the Coloured Population of the United States in Communication to the Governor of South Carolina," Charleston, 1823, wiederabgedruckt in: Rogers, James A.: Richard Furman. Life and Legacy, Mercer University Press, Macon 1985, S. 274-286 ^)



Kümmert euch doch erst einmal um...

Zitat:

But abolish negro slavery, and how much of slavery still remains. Soldiers and sailors in Europe enlist for life; here, for five years. Are they not slaves who have not only sold their liberties, but their lives also? And they are worse treated than domestic slaves.

Aber die Negersklaverei abschaffen und wieviel Sklaverei bleibt weiterhin bestehen. Soldaten und Matrosen in Europa verpflichten sich lebenslang; hier für fünf Jahre. Sind das nicht auch Sklaven, die nicht nur ihre Freiheit, sondern auch ihr Leben verkauft haben? Und diese werden schlechter behandelt als Haussklaven.


(Fitzhugh, a.a.O.)


Sie kennen nichts anderes, deshalb macht es ihnen nichts aus


Zitat:

The fact that he cannot enjoy liberty on such terms, seems conclusive that he is only fit to be a slave.

Die Tatsache, daß er die Freiheit unter diesen Bedingungen nicht genießen kann, scheint überzeugend dafür, daß er nur geeignet ist, ein Sklave zu sein.


(Fitzhugh, a.a.O.)



In Gefangenschaft geht es ihnen besser als in Freiheit

Heute in Hinsicht auf "Zoo"tiere verwendet.


Zitat:

The blacks are immeasurably better off here than in Africa, morally, physically & socially.

Den Schwarzen geht es hier wesentlich besser als in Afrika, moralisch, physisch und sozial gesehen.


(Michael Fellman: The Making of Robert E. Lee, JHU Press, 2003, S. 73)


Zitat:

A Negros, removed to the West Indies, is placed in a climate much more agreeable to a labourer than the burning plains of Africa.

Ein Neger, der nach Westindien gebracht wurde, befindet sich in einem wesentlich angenehmeren Klima für einen Arbeiter als in den brennend heißen Ebenen von Afrika. [Westindien ist nicht der Westen von Indien, sondern sind die Westindischen Inseln]


(Gentleman's Magazine, 23.04.1789 ^)


Zitat:

We would remind those who deprecate and sympathize with negro slavery, that his slavery here relieves him from a far more cruel slavery in Africa, or from idolatry and cannibalism

Wir möchten die, die die Negersklaverei ablehnen und mit ihnen sympathisieren, daran erinnern, daß seine Sklaverei hier ihn von einer wesentlich grausameren Sklaverei in Afrika befreit oder von Irrglauben und Kannibalismus


(Fitzhugh, a.a.O.)




Es hat ... schon immer gegeben und ist natürlich/normal

Zitat:

In all social systems there must be a class to do the menial duties, to perform the drudgery of life. [...] We use them for our purpose, and call them slaves. We found them slaves by the common "consent of mankind," which, according to Cicero, "lex naturae est."

In allen Gesellschaftsordnungen muß es eine Klasse geben, die die niedrigen Arbeiten verrichtet, die die harte Arbeit des Lebens leistet. [...] Wir benutzen sie für unsere Absichten und nennen sie Sklaven. Wir machen sie durch das "Einverständnis der Menschheit" zu Sklaven, das nach Cicero "ein Naturgesetzt ist".

[Man ersetze "Klasse" durch "Spezies".]


They are elevated from the condition in which God first created them, by being made our slaves.

Sie sind dadurch, daß wir sie zu unseren Sklaven gemacht haben, über das erhoben worden, zudem Gott sie ursprünglich erschaffen hatte.


(Hammond, James Henry: The 'Mudsill' Theory, Rede vor dem Senat, 04. März 1858)


Zitat:

The Negroes of Africa, in their native country, are apparently useless in the great scale of human society; they are totally incapable of refinement, arts, or sciences. The only way to promote their civilization, to make them serviceable in their generation, and happy in themselves, is to introduce them into a state of activity and industry. Man was not designed for a life of idleness.

Die Neger in ihrem Heimatland Afrika sind offensichtlich nutzlos in der großen Waage der menschlichen Gesellschaft; sie sind zu vornehmem Verhalten, Kunst oder Wissenschaft vollkommen unfähig. Die einzige Möglichkeit ihre Zivilisierung voranzubringen, ihre Entwicklungsstufe brauchbar zu machen und sie selbst glücklich, ist sie einem Zustand der Beschäftigung und des Fleißes zuzuführen. Der Mensch wurde nicht für ein Leben der Faulheit geschaffen.


(Gentleman's Magazine, a.a.O.)


Zitat:

Every shade and variety of slavery has existed in the world.

Jegliche Form und Variante der Sklaverei gab es bisher in der Welt.

(Fitzhugh, a.a.O.)


Zitat:

The powerful Romans, had succeeded in empire, the polished Greeks; and, under both empires, the countries they possessed and governed were full of slaves.

Die mächtigen Römer, die ein Imperium erschufen, die glänzenden Griechen; und beide Reiche, die eroberten und beherrschten Gebieten waren voller Sklaven.

(Furman, a.a.O.)



Beeinflussung der Jugend/Kinder; Lamentieren


Zitat:

The practice is, the child is taught by them that slavery is very wicked; that no slaveholder can be a good man; and much of such matter. Books are put into to the hands of the schoolboy and the youth, inculcating similar lessons, fraught with lamentation and sympathy for the imaginary woes of the slave, and hatred and disgust towards the master

Die Vorgehensweise besteht darin, dem Kind beizubringen, daß Sklaverei sehr böse sei, daß kein Sklavenhalter kein guter Mensch sein kann und lauter solches Zeug. In die Hände der Schuljungen und der Jugend werden Bücher gegeben, die ähnliche Lehren enthalten, voller Gejammer und voller Sympathie für das eingebildete Leid des Sklaven und Haß und Abscheu gegen den Sklavenhalter


John Fletcher: "Wayland on conscience as distinct faculty; Channing, Barnes and abolitionists generally on the same". Studies on Slavery, in Easy Lessons, Mnemosyne, Miami 1969, Erstveröffentlichung Natchez 1852 ^)



Gott sagt...


Zitat:

the right of holding slaves is clearly established in the Holy Scriptures, both by precept and example.

das Recht der Sklavenhaltung ist deutlich in der Heiligen Schrift begründet, sowohl durch Gebote als auch durch Beispiele.


the holding of slaves is justifiable by the doctrine and example contained in Holy writ; and is, therefore consistent with Christian uprightness, both in sentiment and conduct.

das Sklavenhalten ist durch die Glaubenslehre gerechtfertigt und ein Beispiel in der Heiligen Schrift enthalten; und stimmt daher mit der christlichen Aufrichtigkeit, sowohl in Gedanken als auch Taten überein.


(Furman, a.a.O.)



Die Bibel etc. sagt...


Zitat:

Willst du aber Sklaven und Sklavinnen haben, so sollst du sie kaufen von den Völkern, die um euch her sind (1. Mo 25,44)

Wenn du als Sklave berufen wurdest, soll dich das nicht bedrücken; auch wenn du frei werden kannst, lebe lieber als Sklave weiter. (Korinther 7,21)

Ein Jünger steht nicht über seinem Meister und ein Sklave nicht über seinem Herrn. (Matthäus 10,24)

Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren mit Furcht und Zittern und mit aufrichtigem Herzen, als wäre es Christus. Arbeitet nicht nur, um euch bei den Menschen einzuschmeicheln und ihnen zu gefallen, sondern erfüllt als Sklaven Christi von Herzen den Willen Gottes! (Epheser 6,5-6)

Ihr Sklaven, gehorcht in allem euren Herren! Tut dies nicht nur, wenn sie euch dabei beobachten und ihr von ihnen anerkannt werden wollt. Verrichtet eure Arbeit aufrichtig und in Ehrfurcht vor Gott. (Kolosser 3,22)

Die Knechte, so unter dem Joch sind, sollen ihre Herren aller Ehre wert halten, auf daß nicht der Name Gottes und die Lehre verlästert werde. (1. Timotheus 6,1)


Den Knechten sage, daß sie ihren Herren untertänig seien, in allen Dingen zu Gefallen tun, nicht widerbellen (Titus 2,9)



Reformismus statt Abolitionismus und andere "Lösungen"


Zitat:

We might and should have laws in Virginia, as in Louisiana to make the master subject to presentment by the grand jury and to punishment, for any inhuman or improper treatment or neglect of his slave.

Wir könnten und sollten in Virginia Gesetze wie in Louisiana haben, durch die der Sklavenhalter einer Rechtfertigung vor dem großen Geschworenengericht und einer Bestrafung unterliegt für jede unmenschliche und unangemessene Behandlung oder Vernachlässigung seines Sklaven..

(Fitzhugh, a.a.O.)



Zitat:

Instead of SLAVES, let the Negroes be called ASSISTANT-PLANTERS

Statt "Sklaven" sollten die Neger "Hilfsplantagenarbeiter" genannt werden


(Gentleman's Magazine, a.a.O.)


Zitat:

Cruelty, is, certainly, inadmissible; but servitude may be consistent with such degrees of happiness as men usually attain in this imperfect state of things.

Grausamkeit ist natürlich unzulässig; aber Sklaverei kann mit dem Maß an Glück, das Menschen normalerweise in dieser unvollkommenen Situation erreichen, vereinbar sein.


but that to impose on them unreasonable, rigorous services, or to inflict on them cruel punishment, he has neither a scriptural nor a moral right.

aber dafür, sie für unangemessene und harte Dienste auszunutzen oder ihnen grausame Bestrafungen aufzuerlegen, hat er weder das biblische noch das moralische Recht.


(Furman, a.a.O.)


Bemerkenswert, wie hier "biblisch" und "moralisch" getrennt wird.



Aus der Geschichte nichts gelernt


Zitat:

I have known what it is to be dragged fifteen miles to the human flesh market and be sold like a brute beast. I am from a slave-breeding state--where slaves are reared for the market as horses, sheep, and swine are.

Ich habe erfahren, was es bedeutet, fünfzehn Meilen auf den Menschenfleischmarkt geschleift und wie ein dummes Tier verkauft zu werden. Ich komme aus einem Staat, der Sklavenzucht betreibt, - wo Sklaven für den Markt herangezüchtet werden wie Pferde, Schafe und Schweine.

(Frederick Douglass: "A Simple Tale of American Slavery: An Address Delivered in Sheffield, England, on September 11, 1846", Sheffield Mercury, 12.09.1846 ^)


Zitat:

For this purpose they divided families; for this purpose they took the infant from the mother before it had the power of knowing her; for this purpose they made it penal for a slave [...] to ward off the blow aimed at him by the white man.

Für diesen Zweck haben sie Familien getrennt; für diesen Zweck haben sie das Neugeborene der Mutter weggenommen, bevor es die Fähigkeit hatte sie zu kennen; für diesen Zweck haben sie es für einen Sklaven strafbar gemacht, [...] sich gegen den Schlag des weißen Mannes zu wehren.


(Frederick Douglass: "Slavery As It Now Exists in the United States: An Address Delivered in Bristol, England on August 25, 1846", Bristol Mercury and Western Counties Advertiser, 29.08.1846 ^)


Zitat:

Like the wild horse, he must be caught, tamed and domesticated. When his subjugation ceases he again runs wild, like the cattle on the Pampas of the South, or the horses on the prairies of the West.

Wie wilde Pferde muß er gefangen, gezähmt und domestiziert werden. Wenn seine Unterwerfung endet, wird er wieder wild, wie die Rinder in den Pampas des Südens oder die Pferde in den Prärien des Westens.

(Fitzhugh, a.a.O.)^

[Quelle: http://tierrechtsforen.de/rassismusspeziesismus]

Tierrechte liegen nicht in den Schmerzrezeptoren

Adam Shriver, Verantwortlicher des Philosophy-Neuroscience-Psychology (PNP) Program der Universität Washington, argumentiert in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Neuroethics" dafür, den Tieren das Schmerzempfinden wegzuzüchten (in diesem Fall mit Gentechnik beschleunigt) würde ihre Benutzung als Ressourcen ethisch weniger problematisch machen. Dabei sind Tierschützer sind grundsätzlich die Zielgruppe seiner Argumentation, so suggeriert bereits die Überschrift - "Knocking Out Pain in Livestock: Can Technology Succeed Where Morality has Stalled?" – die Moral wäre in der Frage um das Quälen der Tiere "ins Stocken geraten". Für Vegetarier und Tierschützer dürfte das gelten, da sie nicht hören wollen, daß die "Freilandhühner" im selben Schlachthof enden wie alle anderen. Tierrechtler und Veganer wissen, daß die Moral längst die einzig vertretbare Alternative aufgezeigt hat: schlichtweg keinen Tiere mehr Leiden zufügen und vegan zu werden.



Die Worte seiner Zusammenfassung verdienen fast schon eine Nadel im Misthaufen:
Zitat:

Moreover, I will argue that all people concerned with animal welfare should agree that we ought to replace the animals currently used in factory farming with animals whose ability to suffer is diminished if we are able to do so.
Alle, die sich von diesem kontraproduktivem Unsinn fernhalten, stimmen ihm dementsprechend nicht zu.

Er argumentiert ganz auf der Linie der Tierschützer, indem er von einer "Reduktion unnötiger Leiden" ("reduction of unnecessary suffering of animals") spricht – als ob es beim Ausbeuten der Tiere zur Nahrungsgewinnung "nötiges Leiden" gäbe. Shriver hat dabei überraschend mehr Ahnung von Tierrechtsschutzphilosophie als die meisten und so zitiert er Peter Singer vor allem nach "Practical Ethics". Dessen utilitaristische Unsinn liegt in einer Er- oder Verrechnung der Leiden, sodaß Tiere seiner Meinung nach nur das Interesse hätten, nicht oder möglichst wenig zu leiden, weshalb sie vermeintlich schmerzfrei zu töten völlig in Ordnung sei (reiner Pathozentrismus eben). Andere wiederholen den Unsinn, wodurch er auch nicht richtiger wird:
Zitat:

As David Degrazia writes, "when seen from the proper perspective, utilitarianism and animal-rights views appear far more alike than different. Crucially, both extend to animals a principle of equal consideration. Any such principle requires that we (insome significant way) give equal moral weight to comparable interests, regardless of who has those interests"
Die Tierrechte beruhen nicht ausschließlich (wenn auch zu einem großen Teil) auf dem Kriterium der Leidvermeidung. Nicht umsonst steht im Glossar-Eintrag "Tierrechte", daß es moralisch notwendig ist, nichtmenschlichen Tieren die relevanten gleichen Interessen wie Menschen zuzugestehen. Das Interesse auf Leidfreiheit ist nur eines davon. Menschen haben genauso das Interesse, nicht als Ressource benutzt zu werden (als Organspender, als Nahrung, als Experimentierobjekt), genauso wie sie das Interesse auf Bewegungsfreiheit haben, das Interesse, ein ungestörtes Sozialverhalten ausleben zu können usw. (siehe auch: Interessenethik) Aus tierrechtlerischer Sicht ist das Ausschalten der Schmerzempfindung keine "Lösung", da es nur einen kleinen Teil der verletzten Rechte betrifft. Die Argumentation, daß es eine wäre, ist (wie zu erwarten) speziesistisch, denn niemand würde vorgeschlagen, Menschen die Schmerzempfindung wegzuzüchten, damit man an ihnen besser experimentieren kann (schließlich sind Tierversuchsergebnisse zwischen den Spezies nicht übertragbar, weshalb Menschenversuche sinnvoll sind im Gegensatz zu Versuchen an anderen Tieren).



Was Shrivers eigentliche Idee betrifft, ist er wesentlich weiter von der Einlösung der Ansprüche entfernt, als man vielleicht vermutet.
Zitat:

Several authors have argued that the affective dimension of pain is the relevant dimension for what we would call suffering
"Leid" ist zwar zum Großteil mit "Schmerz" synonym, aber eben nicht vollständig und daher ist Schmerz allein definitiv nicht das "relevante Maß" für Leid. Leid wird, neben der Hyperstimulation sensorischer Nerven (Schmerz), auch erzeugt durch psychische Faktoren wie Langeweile und die Unterdrückung der natürlichen Verhaltensweise, die insbesondere bei "Zoo-" und "Nutz"tieren zu Stereotypie (Im-Kreis-Laufen im Käfig), Zwangsstörungen (Kannibalismus als Ersatzhandlung des Pickens bei Hühnern) und Angst und Streß (in Folge der gewaltsamen Trennung von Kühen und ihrem neugeborenen Kalb) führt. Dieses Leiden ist keine Frage der Rezeptoren oder der Weiterleitung von Nervenimpulsen, sondern der psychischen Prozesse. Selbst wenn es also gelänge, die Schmerzrezeptoren auszuschalten oder die Interpretation der Nervenimpulse ins Positive zu verkehren, würde das Leid der Tiere nur verringert, nicht beseitigt - von der Verletzung aller anderen (tierrechtsrelevanter) Interessen ganz zu schweigen. Shriver kommt auch zu dieser Einsicht und redet sich damit heraus, die Unterbindung der körperlichen Schmerzen sei ein Großteil des Leidens ("a great deal of suffering") und deshalb besser als nichts.



Tiere so zu züchten, daß ihre Nutzung als Ressource keine Tierrechte mehr berühren würde, würde mindestens bedeuten, ihre gesamten kognitiven Eigenschaften auszuschalten. Da sie so keine Individuen und nicht lebendig, sondern eben nur Zellhaufen wären, könnten sie auch nicht von alleine wachsen und Eier legen und Milch produzieren, sodaß dies ein sinnloses Gedankenexperiment ist (selbst wenn, reichte das nicht aus, da Tierrechte sich auf mehr als nur den Mißbrauch als Nahrung beziehen). Statt sich damit aufzuhalten, könnte man auch einfach vegan werden, aber das ist wohl zu einfach für Leute wie Singer und Shriver. Statt eins plus eins zusammenzuzählen (und auf Veganismus als Lösung für das Leiden der Tiere zu kommen), rechnen sie lieber solange an fünf plus vier herum, bis minus dreizehn herauskommt.



Die restliche Argumentation ist, wie gesagt, tierschützerisch durch und durch. Es sei zwar die einfachste Lösung, keine Tierprodukte (er allerdings spricht nur von Leichenteilen) zu konsumieren, aber für viele Menschen sei es leichter, Tierprodukte (vermeintlich) nichtleidender Tiere zu wählen als gar keine – als ob man die Ansprüche der Ethik am status quo festzulegen hätte.

Und alle, die die Züchtung solcher Tiere als "Übergangslösung" für eine gute Idee halten, sollten sich fragen, ob die Menschen, die so etwas konsumieren, (a) wahrscheinlich vegan werden, obwohl sie durch das (falsche) Prädikat "leidfrei" ein gutes Gewissen und damit keinen Grund mehr haben, ihr Verhalten zu ändern, oder (b) nicht vegan werden, weil sie zum einen ein gutes Gewissen beim Konsum haben und zum anderen nicht verstanden haben, daß Tiere kein Mittel zum Zweck für Menschen sind, sodaß sie auch weiterhin in "Zoos" und "Zirkusse" gehen. Falls man der Logik zu Liebe eher zu (b) neigen sollte, könnte man daraus ableiten, daß Tierschutz nicht funktioniert und den Tieren nicht hilft. So ganz theoretisch jedenfalls...

[Quelle: http://tierrechtsforen.de/1/7477]

Die (wirkliche) Wahrheit über Soja

Überschriften wie "Ist Soja schädlich?", "Die Wahrheit über Soja", "Die giftige Bohne", "Soja-Mythen" oder auch weniger dramatisch: "Soja – Eine Gefahr für die Menschheit?", häufen sich langsam, aber zunehmend. Sie führen zu Texten, die Soja als giftig, schädlich, wenn nicht tödlich bezeichnen und alle Aussagen über die gesundheitsfördernde Wirkung auf die Propaganda der internationalen Sojamafia schieben.

Zwar ist für die vegane Ernährung Soja keineswegs notwendig (d.h. selbst wenn Soja wirklich was-auch-immer wäre, ist das kaum als Argument gegen Veganismus brauchbar), aber solche dreisten Verunglimpfungen sollen nicht unwidersprochen bleiben. Zudem ist es sicher nur eine Frage der Zeit, bis die dümmern Veganismusgegner (und von denen gibt es genug) versuchen, das als Argument gegen Veganismus zu gebrauchen (also all die, die nicht merken, daß sie sich damit ins eigene Fleisch schneiden). Zudem habe ich es schon in zwei Veganismus-Foren gesehen, wo es teilweise Verunsicherung auszulösen scheint und ein genereller Gegentext fehlt wohl bisher.

Ein verbreitetes Beispiel, dessen Aussagen so oder in anderer Form wiederholt werden ist folgendes (erkennbar sind sie übrigens an der schlechten Orthographie):

Märchen: Sojaprodukte werden schon seit Jahrtausenden gegessen.


Wahrheit: Soja wurde zuerst als Nahrungsmittel genutzt während der Chou Dynasie (1134-246 v.Christus) nachdem die Chinesen das Fermentieren von Sojabohnen erlernt hatten. Nicht-fermentiertes Soja war ungeeignet zur Ernährung. Sie stellten Tempeh, Natto und Tamari her.


Märchen: Asiaten essen große Mengen von Sojaprodukten.


Wahrheit: Der durchschnittliche Verbrauch von Sojaprodukten in Japan und China ist 10 Gramm (etwa 2 Teelöffel) pro Tag. Asiaten essen Sojaprodukte in kleinen Mengen als Zugabe und nicht als Ersatz für tierische Produkte.


Märchen: Moderne Soyaprodukte vermitteln dieselben gesundheitlichen Vorteile wie die traditionell fermentierten Sojaprodukte.


Wahrheit: Die meisten modernen Sojaprodukte werden nicht im Hinblick der Neutralisierung von Giftstoffen fermentiert, sondern in einer Weise, die die Eiweisse denaturiert und dadurch den Anteil der krebserregenden Stoffe erhöht


Märchen: Soja ist ein komplettes Eiweiss.


Wahrheit: Wie alle Hülsenfruechte, sind auch Sojabohnen arm an schwefelhaltigen Aminosäuren wie Methionin und Cystin. Ausserdem denaturiert die moderne Verarbeitung das fragile Lysin.


Märchen: Fermentierte Sojaprodukte können bei vegetarischer Ernährung Vitamin B 12 anbieten.


Wahrheit: Die chemische Verbindung, die Vitamin B 12 ähnelt, kann vom menschlichen Körper nicht genutzt werden; im übrigen verursachen Sojaprodukte einen erhöhten Bedarf an Vitamin B 12.


Märchen: Sojaprodukte sind für Kleinkinder unbedenklich.


Wahrheit: Sojaprodukte enthalten Trypsinantagonisten, die die Eiweissverdauung und Bauchspeicheldrüsenfunktion beeinflussen. In Versuchstieren führte eine Ernährung, die viel Trypsinantagonisten enthielt, zu Bauchspeicheldrüsenkrankheiten sowie zur Wachstumshemmung. Soja erhöht den körperlichen Bedarf an Vitamin D, welches für normales Wachstum und feste Knochen gebraucht wird. Phytinsäure in Sojaprodukten verursachen reduzierte Eisen- und Zinkaufnahme, was für die Gesundheit von Hirn und Nervensystem gebraucht wird. Soja hat kein Cholesterin, was auch für die Entwicklung von Hirn und Nervensystem erforderlich ist. Megadosierungen von Phytoöstrogenen in Sojaprodukten werden in der heute beobachteten Frühentwicklung in Mädchen sowie in der sexuellen Spätentwicklung von Jungen verdächtigt.


Märchen: Sojaprodukte können Osteoporose verhindern.


Wahrheit: Soja kann einen Mangel an Kalzium und Vitamin D verursachen, beide werden für gesunde Knochen gebraucht. Kalzium von Knochenbrühe und Vitamin D von Meeresfrüchten, Schweineschmalz und Innereien verhindern Osteoporose in asiatischen Ländern - nicht Soyaprodukte.


Märchen: Moderne Sojaprodukte schützen vor vielen Arten von Krebs.


Wahrheit: Ein Bericht der britischen Regierung besagt, dass wenig Beweise für eine schützende Rolle vor Brustkrebs oder anderen Krebsarten den Sojaprodukten zugeordnet werden kann. Eher könnte es sein, daß Soja das Krebsrisiko erhöht.


Märchen: Soja schützt vor Herzkrankheiten.


Wahrheit: Bei manchen Menschen erniedrigt Soja das Cholesterin, aber es gibt wenig Anzeichen, daß niedriges Cholesterin das Risiko von Herzkrankheit vermindert.


Märchen: Sojaestrogene sind gesund.


Wahrheit: Sojaisoflavone sind Phyto-endokrine Störstoffe. Bei Normalaufnahme können sie den Eisprung verhindern und das Wachstum von Krebszellen fördern. Die geringe Menge von 30 Gramm (etwa 4 Eßlöffel) pro Tag kann zu Schilddrüsenunterfunktion mit den Symptomen Müdigkeit, Verstopfung, Gewichtszunahme und Schlappheit führen.


Märchen: Soja ist harmlos und gesund für Frauen in den Jahren nach Beginn des Klimakteriums.


Wahrheit: Soja kann das Wachstum von östrogenabhängigen Tumoren fördern und Schilddrüsenprobleme verursachen. Schilddrüsenunterfunktion ist mit Schwierigkeiten der Menstrualblutung assoziiert.


Märchen: Phytoestrogene in Soja können die Hirnfunktion steigern.


Wahrheit: Eine neue Studie fand, dass Frauen mit dem höchsten Blutspiegel von Östrogenen den niedrigsten Hirnfunktionsstand hatten; bei Japan-Amerikanern wird der Verzehr von Tofu in den mittleren Jahren mit dem Auftreten der Alzheimerkrankheit in späteren Jahren assoziiert.


Märchen: Sojaisoflavone und Sojaproteinisolate haben den (US-) Status GRAS (allgemein als unbedenklich anerkannt).


Wahrheit: Archer Daniels Midland (ADM) hat unlängst seinen Antrag bei der FDA auf GRAS-Status für Sojaisoflavone zurückgezogen - nach Protesten der Wissenschaftlicher. Die FDA hat nie den GRAS-Status für Sojaeiweissisolat genehmigt wegen der Präsenz von Giftstoffen und Krebserregern in verarbeiteten Sojaprodukte.


Märchen: Soja ist für Ihr Sexleben gut.


Wahrheit: Zahlreiche Tierversuche haben gezeigt, daß Soja Unfruchtbarkeit in Tieren verursacht. Sojakonsum fördert Haarwachstum in Männern im mittleren Alter, was einen niedrigen Östrogenspiegel vermuten lässt. Japanische Hausfrauen füttern Tofu an ihre Ehegatten, wenn sie ihre Fruchtbarkeit vermindern wollen.


Märchen: Sojabohnen sind für die Umwelt gut.


Wahrheit: Die Mehrzahl (ca. 70 %) der in den USA gewachsenen Soyabohnen sind genetisch manipuliert, um den Bauern eine liberale Anwendung von Pestiziden zu erlauben.


Märchen: Sojabohnen sind für Entwicklungsländer von Vorteil.


Wahrheit: In Ländern der Dritten Welt ersetzen Sojabohnen die traditionellen Anbauprodukte und übertragen den Mehrwert durch Verarbeitung durch die lokale Bevölkerung an die multinationalen Aktiengesellschaften.

Hierbei und bei den anderen "Texten" kann bereits Folgendes pauschal festgestellt werden:


1. Es werden keine genauen oder nur relative Zahlen mitgeteilt. Wenn es gemacht wird, wird nicht gesagt, inwiefern sie relevant sind. Beispiel sind die "30 g Isoflavone". Sojamilch enthält allerdings nur 2,0 mg/g, d.h. in einem Liter Sojamilch (1000 g) sind 2 g enthalten, sodaß man 15 Liter Sojamilch täglich trinken müßte, um diese hohen Mengen zu erreichen. (Der Isoflavongehalt schwankt je nach Anbaugebiet, -bedingungen, -weiterverarbeitung usw. Dabei ist die Angabe von 2 mg/g übrigens noch hoch, nach anderen Angaben zur Isoflavon-Menge in Sojaprodukten können es auch mal täglich 300 Liter oder mehr werden, die getrunken werden müßten.)

Der nächste Taschenspielertrick findet sich (oben nicht enthalten) bei relativen Angaben ("sechs mal höher als", ich glaube es war Cadmium), die keinerlei Aussage darüber machen, wie hoch Vergleichsgehalt ist und welche Dosen schädlich sind. 6 µg wären beispielsweise "sechs mal mehr" als 1 µg und trotzdem sind beides bei ziemlich allen Stoffen keine gefährlichen Dosen.


2. Es fehlen Quellennachweise oder nähere Informationen zu diesen. "Ein Bericht des/der .." – welcher? welches Jahr? in welchem Zusammenhang? usw. (Ansonsten könnte man ja dahinter kommen, daß sich alles zusammengesponnen wurde.) Wenn man Quellen auftauchen, werden fast nie Aussagen über die Untersuchungsmodelle gemacht, die (s.u.) die größte Fehlerquelle sind.

Aber nicht nur Quellen, sondern auch überhaupt Erklärungen, z.B. daß Soja Vit.-D-Mangel auslösen könnte wird mit keinem Wort begründet.

3. Pauschalisierungen. Was wirklich untersucht wurde, ist oftmals nebensächlich. Einmal sind es die rohen Bohnen (die so wohl kaum jemand ißt), von denen mir nichts dir nichts auf verarbeitete Sojaprodukte geschlossen wird, mal (oder eher: oft) ist es irgendwelche Sojasäuglingsnahrung, von deren Zusatzstoffen oder produktionsbedingten Rückständen auf Sojasäuglingsnahrung allgemein oder gar auf alle anderen (völlig anders verarbeiteten Produkte) geschlossen wird.

4. Fehlerhafte Untersuchungsmethoden. Fast alle diese "Erkenntnisse" kommen, wenn man doch einmal angegebenen Quellen nachgeht, aus Tierversuchen oder In-vitro-Tests. Tierversuche sind, wie wir wissen, nicht auf Menschen übertragbar. Die Ergebnisse bestätigen das (die Menschenversuche widersprechen den Nichtmenschenversuchen), s.u.

Dazu gehören auch all die Untersuchungen, die sich auf isolierte Sojaisoflavone oder Sojaproteine beziehen und völlig außer acht lassen, daß sich diese Stoffe in den wesentlich geringeren Mengen der Nahrungsmittel und vor allem im aktiven Nährstoffverbund völlig anders verhalten bzw. auswirken, als unter diesen künstlichen Bedingungen.


Entsprechend dem Märchen-Wahrheit-Schema von oben kommt hier jetzt also die wirkliche Wahrheit über Soja, wobei ich bei Aussagen mit völligem Unsinn ("Japanische Hausfrauen füttern Tofu an ihre Ehegatten...") bzw. völlig irrelevante Aspekte (wielange Soja gegessen wird oder nicht) auslasse. Ergänzt habe ich es mit weiteren Vorurteilen aus anderen Texten.



Märchen: Der durchschnittliche Verbrauch von Sojaprodukten in Japan und China ist 10 Gramm (etwa 2 Teelöffel) pro Tag.


Wahrheit: Laut der Studien "Kobayashi: Trends in national nutritional survey of Japan" (in: Nutr. Health 8 (2-3), S. 91-96) liegt der Konsum in Japan bei 65 g/Tag und in manchen Regionen in China bei bis zu 76 g/Tag.


Märchen: [Schlechtes Eiweiß.] Wie alle Hülsenfruechte, sind auch Sojabohnen arm an schwefelhaltigen Aminosäuren wie Methionin und Cystin. Ausserdem denaturiert die moderne Verarbeitung das fragile Lysin.


Wahrheit: Seit wann ergibt sich der Eiweißstatus aus nur zwei Aminosäuren? Was ist mit Arginin, Histidin, Isoleucin, Leucin, Phenylalanin, Threonin, Tryptophan, Tyrosin und Valin, die in Soja enthalten sind? Soja ist die einzige Pflanze, die alle neun Aminosäuren zusammen besitzt, u.a. deshalb hat es auch bei der FAO/WHO-Untersuchung über die Proteinwertigkeit die höchste Wertigkeit erzielt, vor allen Tierproduktproteinen.



Märchen: Die Produktionsverfahren zerstören xy und erhöhen krebserregende Stoffe usw.


Wahrheit: Die Produktionsverfahren zerstören die schädlichen Stoffe (z.B. Phytate) und zerstören das Protein nicht, sondern entfalten die Proteinstrukturen, sodaß es leichter verdaubar wird. Weitere Beispiele finden sich in den anderen Antworten.



Märchen: Sojaprodukte sind ungeeignet für die Vit.-B12-Versorgung.

Wahrheit: Auch wenn Soja an sich kein verwertbares B12 enthält (die einzige, halbwegs richtige Aussage von oben), gibt es viele Sojaprodukte, denen es zugesetzt ist, damit sind sie gute Quellen unter den angereicherten Nahrungsmitteln.


Märchen: Sojaprodukte verhindern Osteoporose nicht, sondern bedingen sie.


Wahrheit: Wie erwähnt, gibt es a) keine Begründung dafür und b) ist die empirische Grundlage falsch. Die Forschung kam hingegen zu dem Ergebnis: "Soja-Isoflavone weisen durch Aktivierung des Estrogen-Rezeptor-β-Systems in den Knochen einen schützenden Effekt vor Knochenabbau auf."


Märchen: Soja ist schädlich, weil es Protease-Inhibitoren (ins. Trypsinhemmer auch Trypsinantagonisten genannt) enthält.


Wahrheit: Protease-Inhibitoren werden einerseits bei der Herstellung von Sojaprodukten durch Verfahren wie Erhitzen oder Raffinieren denaturiert und damit unschädlich gemacht und andererseits wurde ermittelt, daß sie zu 90% nicht aufgenommen, sondern wieder ausgeschieden werden ("Protease inhibitors in plant foods. Content and inactivation", in: Advances in experimental medicine and biology, Heft 199, Seite 299-347).



Märchen: Soja ist schädlich, weil es Phytoöstrogene (Isoflavone wie Genistein, Glycitein, Daidzein) enthält, die zu Krebs auslösen, Herzkrankheiten bedingen, zu Schilddrüsenunterfunktion führen, verfrühte sexuelle Reife bedingen etc. pp. usw. usf.


Wahrheit: Zu solchen "Ergebnissen" kommt man, wenn man nutzlose Tierversuche macht. Isoflavon-Forschungsinitiative e.V. hat das wie folgt zusammengefaßt:

Zitat:

Die Hypothese, dass Isoflavone möglicherweise Krebs auslösen könnten, scheint durch experimentelle Studien gestützt zu werden - Studien, bei denen Isoflavone das Wachstum menschlicher Brustkrebszellen, die in Versuchstiere transplantiert wurden, förderten. Dieses Modell wurde jedoch als viel zu künstlich kritisiert: Die Tiere hatten keine eigene Estrogenproduktion und kein Immunsystem, und sie erhielten die Isoflavone in unglaublich hohen Dosen. Schlimmer noch: in diesem Modell spielt der Estrogen-beta-Rezeptor keine Rolle. Es konnte gezeigt werden, dass bereits eine kleine Abwandlung der Studienbedingungen in Richtung eines etwas natürlicheren Umfeldes das Krebszellwachstum nicht länger fördert, sondern im Gegenteil hemmt!

Dass diese vermeintlich das Krebsrisiko bestätigenden Tierversuche für den Beleg eines Risikos gar nicht geeignet sind, wird auch durch die Tatsache unterstrichen, dass diese Hypothese den Beobachtungen an mittlerweile weit mehr als 400.000 Frauen in epidemiologischen Studien widerspricht, ebenso wie den Ergebnissen klinischer Studien, in deren Verlauf Biomarker der Sicherheit an der Brust gemessen wurden.


Wer einen weiteren Beweis für die Nicht-Übertragbarkeit von Tierversuchen braucht, hat ihn hiermit bekommen.


Mehr zu den fehlerhaften Untersuchungsbedingungen:

Risks extrapolated from in vivo experiments

Risks extrapolated from in vitro-models



Weiterführend zur hormonellen Fragen: Soja und Hormonelle Sicherheit



Für das Märchen über Schilddrüsenschädigung gilt Ähnliches:

Zitat:

Again the concerns can be traced back to in vitro-studies and animal experiments, from which it was extrapolated that isoflavones might aggravate the symptoms of patients with thyroidal gland insufficiency, especially when these women are iodine deficient. Again, this risk has not been confirmed through clinical observations. A recent review of the available clinical data concluded that even adults with thyroidal gland insufficiency do not need to avoid soy.



Noch einmal: diese verunsichernden Aussagen können auf In-vitro-Experimente und Tierversuche zurückverfolgt werden, aus denen geschlossen wurde, daß Isoflavone die Symptome von Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion verschlechtern können, insbesondere wenn diese Frauen an Jodmangel leiden. Noch einmal: dieses Risiko wurde in klinischen Bebachtungen nicht bestätigt. Eine neue Überprüfung der verfügbaren klinischen Daten ergab, daß selbst Erwachsene mit Schilddrüsenunterfunktion Soja nicht vermeiden müssen.

Entgegen diesen Aussagen, gibt es etliche Studien, die die entgegengesetzte, ursprüngliche Aussage stützen, daß diese Stoffe eben genau die sind, die die gesundheitlich positiven Effekte bewirken. Siehe auch den nächsten Beitrag im Thread.

Weiterführend: Soja und Schilddrüsensicherheit


Märchen: Soja ist schädlich, weil es den GRAS-Status nicht bekommen hat.

Wahrheit: Dieser Status betrifft ausschließlich Zusatzstoff für weiterverarbeitete Nahrungsmittel. Isolierte Sojaisoflavone und isolierte Sojaproteine haben diesen Status nicht bekommen und nicht etwa sojabasierte Nahrungsmittel oder Sojabohnen allgemein.

Märchen: Soja macht unfruchtbar.


Wahrheit: Wie in der "Erklärung" oben bereits stand: alles Tierversuche, also völlig aussagelos für Menschen. Zudem wird auch hier sehr gerne mit konzentrierten Isoflavonen gearbeitet, wie sie – wie gesagt – in normalen Sojaprodukten nicht vorkommen.

Daneben (in Studien mit Menschen) werden gerne Zahlen von Spermienkonzentrationen heruntergebetet, ungeachtet dessen, daß die Konzentration allein keine Aussagen über die Fruchtbarkeit macht (die Spermienmobilität, Spermienmortalität, Spermienmorphologie und das Ejakulatvolumen ist genauso wichtig). Wenn man einige Studien genauer betrachtet, dann sieht das Ergebnis plötzlich anders aus (so wurden nichtrepräsentative Versuchspersonen benutzt, die Anzahl der Versuchspersonen war zu klein, die Spermienkonzentration war geringer lag aber im Normalbereich usw.).

Nicht zu vergessen, daß die Presse gerne Studienergebnisse verdreht bzw. aus den relativen Zahlen (mehr/weniger als) eigenmächtig unwissenschaftliche Rückschlüsse zieht. (Wie es auch bei der verlinkten Studie der Fall gewesen ist.)


Märchen: Soja ist schlecht für die Umwelt.

Wahrheit: Wie bekannt dient der extensive Sojaanbau zu mehr als 70% der Herstellung von Tiernahrung. Ergo: Unveganismus ist schlecht für die Umwelt, nicht Soja. Siehe auch silch.de-Vorurteile: "Der Anbau von Soja ist umweltschädlich.".


Märchen: Soja ist für die Entwicklungsländer von Nachteil.

Wahrheit: Hier gilt das gleiche.


Märchen: Soja ist schädlich, weil es Phytate/Phytinsäure enthält.


Wahrheit: Phytinsäure wird zum einen durch die körpereigene Phytase sowie durch Phosphatase aus pflanzlicher Nahrung gespalten und unschädlich gemacht. Daneben wird bei der Herstellung verschiedener Sojaprodukte Phytinsäure durch den Fermentierungsprozeß sowie bei der Zubereitung durch Erhitzen reduziert.

Einen hohen Phytinsäuregehalt besitzen übrigens auch Reise, Weizen, Mais, Roggen, Gerste und Erdnüsse (und trotzdem leben wir noch).



Märchen: Soja ist schädlich, weil es Carrageen enthält.

Wahrheit: Soja enthält keineswegs Carrageen, sondern dieses ist ein Zusatzstoff, der bei Sojaprodukten eingesetzt sein kann. Wer es vermeiden will, muß sich lediglich über die jeweiligen Inhaltsstoffe informieren.


Märchen: Soja ist schädlich, weil es Fluor enthält.


Wahrheit: Sojabohnen enthalten ca. 0,3 mg/100 g, aus einem Kilo werden sieben Liter Sojamilch hergestellt, d.h. ein Liter Sojamilch enthält ca. 0,4 mg. Bei einer toxischen Dosis von 20 mg müßten also 50 Liter Sojamilch täglich getrunken werden, um eine Fluorvergiftung zu bekommen (und das auch nur, wenn Fluor zu 100% resorbiert werden würde). Aber wieso richtig rechnen, wenn man auch rumschreien kann.

Daneben ist Fluor ein Spurenelement und wird für den Aufbau von Knochen und Zähnen benötigt, es ist also in den kleinen in Sojaprodukten enthaltenen Mengen nicht schädlich, sondern gesund.



Märchen: Soja ist schädlich, weil es Cadmium enthält.


Wahrheit: Reine Behauptung ohne Zahlen. Die Studie "Cadmium And Lead Content Of Soybean Products" (Journal of Food Science, Heft 45, Nr. 5, Seite 1105-1453) kommt zu dem Ergebnis, daß Sojaprodukte weder relevante Mengen Cadmium noch Blei enthalten und sie bezieht sich auf Soja allgemein. Die Studie, die für die Cadmiumhaltigkeit dahergebetet wird, bezieht sich hingegen nur auf bestimmte, verarbeitete Sojasäuglingsnahrung. (Siehe auch Fazit.)


Märchen: Soja ist schädlich, weil es Lektine, Lysinoalanine und Hämagglutinine enthält.



Wahrheit: Auch diese werden bei der Herstellung von Sojaprodukten durch Verfahren wie Erhitzen denaturiert und damit unschädlich gemacht.

Darüber hinaus sind diese Stoffe auch in vielen anderen Nahrungspflanzen (wie Tomanten) enthalten (und die Schädlichkeit wurde unter Garantie auch in Tierversuchen "ermittelt").



Märchen: Soja ist schädlich, weil es Goitrogene enthält.


Wahrheit: Soja enthält Goitrogene genauso wie etliche andere Nahrungspflanzen (Brokkoli, Raps, Hirse, Mais, Kohl, Radieschen usw.). Solange keine konkreten Zahlen über die Menge vorliegen, ist diese Aussage genauso unrelevant wie die anderen.


Märchen: Soja ist schädlich, weil es Raffinose und Stachyose enthält.

Wahrheit: Dies sind Kohlenhydrate (Mehrfachzucker), die in vielen Hülsenfrüchten vorkommen und schlimmstenfalls zu Blähungen führen können. Das als "schädlich" zu bezeichnen ist reichlich übertrieben.


Märchen: Soja ist schädlich, weil es Aluminium enthält.


Wahrheit: Auch das bezieht sich auf bestimmte Sojasäuglingsnahrung und selbst dort liegen erstens die gefundenen Mengen innerhalb der Toleranzgrenze der WHO und zweitens gibt es keine Informationen zu Langzeitwirkungen einer erhöhten Aluminiumaufnahme bei Kindern (so eine Stellungnahme der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin et al.).


Fazit: Viel heiße Luft und wenig Fakten. Es mag sein, daß irgendwelche Sojasäuglingsnahrung irgendwelche produktionsbedingten schädlichen Zusatzstoffe enthalten könnte, nur liegt das dann an den Zusatzstoffen bzw. der Produktion. Deshalb alle Sojaprodukte als schädlich zu bezeichnen, ist etwas weit hergeholt bzw. eben frei erfunden, aus Halbwahrheiten zusammengeklaubt usw.

Das heißt auch nicht, daß jeder völlig bedenkenlos Soja konsumieren soll. Wie jede Nahrungspflanze hat es einige spezifische, höherkonzentrierte Inhaltsstoffe (wie die Isoflavone), auf die manche Menschen gut und andere vielleicht weniger gut reagieren. Von Menschen mit einer Sojaallergie abgesehen. Aber ob man es gut verträgt (bzw. in welchen Mengen) oder weniger gut, ist individuell und nur weil es einige Menschen gibt, die es weniger gut vertragen, ist Soja sicher keine "Gefahr für die Menschheit".

[Quelle: http://tierrechtsforen.de/soja]

Ethik mißt sich nicht in CO2


Veganismus, das steht seit der Definition des Begriffes durch seinen Erfinder Donald Watson im Jahr 1944 fest, ist die persön­liche Konse­quenz der ethischen Einstellung, jegliche Tieraus­beutung abzulehnen. Mehr als sechzig Jahre später haben es (wenig über­raschend) hauptsächlich Unveganer geschafft, Veganismus auf die Ernährung zu reduzieren und als Mode­erscheinung oder eben als "umwelt­schützende Ernährungs­weise" zu diskreditieren.

"Umwelt-" oder "Klima-Veganismus" ist nicht nur kein Veganismus, da es auch Bereiche der Tierausbeutung gibt, die keine nennens­werte Schädlichkeit für die Umwelt haben (oder haben könnten) - wie "Honig" oder Tierversuche -, sondern er ist auch argumentativ unsinnig und kontraproduktiv. Alles, was keine ethische Motivation erzeugt, geht nicht nur am Kern des Veganismus (und damit an ihm selbst) vorbei, sondern provoziert auch "Lösungen", die auf der Ebene der Ethik (die dabei umgangen wird) genauso verwerflich sind, wie der Zustand zuvor. "Klima-Veganismus" und seine Verwendung als primäres Argument erzeugt keinen Veganismus, sondern eben nur "Lösungen" wie die Reduzierung der durch "Tierhaltung" verursachten Klimaschäden mittels veränderter Nahrung, "Züchtung" oder sonstigen Absonder­lichkeiten, die das Klima-Argument bedienen, aber nicht den Veganismus. Denn dieser ist (in allererster Linie) praktizierte Ethik: Auch Tiere, die CO2 verbrauchen und Sauerstoff erzeugen würden, hätten immer noch ein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit und sie auszubeuten und umzubringen wäre genauso ethisch verwerflich und damit unvegan wie zuvor.

Einen kleinen Gipfel dieses argumentativen Unsinns erreichte der Vegetarierbund Deutschland, der zum diesjährigen Weltvegantag unter dem Slogan "Veganer dürfen Porsche fahren" die Medien bediente, dem Veganismus aber keineswegs geholfen hat.

Die ethische Implikation, die eine solche Argumentation erzeugt, ist nicht minder schädlich als das eigentliche Fehlen von Ethik dabei: Durch Unveganismus sterben (wenn man die statistisch nicht erfaßten ermordeten Fische schätzungsweise hinzuzählt) jährlich rund 100 Milliarden Tiere aufgrund der Bequemlichkeit der Menschen, Tierprodukte nicht durch Alternativen ersetzen zu wollen. Hierbei mit der Klimaschädlichkeit zu argumentieren, marginalisiert den Massenmord und stellt die Menge der freige­setzten Gase als wichtiger als die Leben der Individuen dar. Was in jedem anderen Bereich undenkbar wäre - hat jemand den Völkermord in Ruanda verurteilt, weil die Leichen klimaschädliche Gase freisetzten? - ist beim Thema Veganismus dank der Un- und Pseudoveganer bereits völlig normal.

Veganismus ist die klimafreundlichste Ernährungsweise und wird es mit der größten Wahrscheinlichkeit immer bleiben (schon aufgrund der simplen biologischen Tatsache, daß Tiere immer ein Vielfaches an Pflanzen konsumieren müssen, um Tierprodukte zu erzeugen). Wer jedoch weiterhin glaubt, die Klimafreundlichkeit als primäres (statt sekundäres) Argument benutzen zu müssen, wird mit genauso großer Wahrscheinlichkeit eine "klimafreundlichere" Tierausbeutung erreichen und nicht mehr. Veganismus hingegen ist ein ethischer Imperativ und nur das kann und muß das Ziel der Verbreitung der veganen Idee sein.

[Quelle: http://www.vegane-gesellschaft.de/archives/47-Ethik-misst-sich-nicht-in-CO2.html]

Welt-Vegan-Tag 2009 - Tag des Veganismus: vegane Kinder und Eltern

Am 1. November jeden Jahres ist Weltvegantag. Aus diesem Anlass stellt die Initiative Maqi - für Tierrechte, gegen Speziesismus in diesem Jahr eine neue Internetseite für vegane Kinder und Eltern vor: http://veganekinder.de/ .

Wer es ablehnt, daß Hühner, Fische, Schweine, Rinder usw. für "Fleisch", "Milch", "Eier", "Leder", "Wolle" etc. leiden und getötet werden, lebt vegan.

Wer nicht nur vegan lebt, sondern darüberhinaus noch ein Kind erwartet oder hat oder selbst - im schlimmsten Fall von unveganen Eltern abhängiges - Kind ist, wird oft Opfer von Desinformation, was vegane Lebensweise bei Kindern und Jugendlichen betrifft. Gegenwärtig wird in nahezu jedem Presseartikel über vegane (oder auch nur vegetarische) Ernährung dringend von veganer Kinderernährung abgeraten. Auch viele Ärzte leben diesbezüglich noch im Mittelalter. "Ernährungswissenschaftler" und insbesondere die "Deutschen Gesellschaft für Ernährung", die viele fälschlich für seriös halten, obwohl in ihren Beiräten nachweislich Vertreter der Tierausbeutungsindustrie sitzen, entfachen ebenfalls entsprechende Vorurteile, und das Landwirtschaftsministerium mißbraucht Kinder zur subventionierten Entsorgung von "Milchüberschüssen", begleitet von Werbemaßnahmen für "Schulmilch".


Unabhängige Organisationen wie die American Dietetic Association stellen dagegen fest, daß ausgewogene vegane Ernährung "angemessen für Individuen in jedem Stadium des Lebenszyklus, einschließlich Schwangerschaft, Stillzeit, Säuglingsalter, Kindheit und Jugend" ist (J Am Diet Assoc. 2009;109: 1266-1282).

"Vor Jahren hieß es, 'Fleisch' sei notwendig für eine gesunde Ernährung", erläutert Achim Stößer von Maqi. "Mittlerweile kennt jeder genug überlebende Vegetarier, um dies als offensichtlichen Unsinn zu erkennen. Dann hieß es, man brauche zumindest 'tierisches Eiweiß', sprich Milch oder Eier. Inzwischen kennt fast jeder mindestens einen Veganer, der noch nicht skelettiert ist. Also wird die Stimmungsmache auf Kinder eingeschränkt, um Ängste und somit Vorbehalte gegen Veganismus zu schüren." Um dem entgegenzuwirken, bietet veganekinder.de Informationen Fakten und Argumente ebenso wie Möglichkeiten, sich mit anderen auszutauschen und beantwortet häufig gestellte Fragen wie: 'Können/sollen Kinder vegan ernährt werden?', 'Darf man Kindern vegane Ernährung aufzwingen?', 'Was ist während Pubertät, Schwangerschaft, Stillzeit zu beachten?' uvm. "Ein Fotoalbum - zum Großteil lebenslang - veganer Kinder vom Ungeborenen bis zum Jugendlichen straft die Agitation der Tierausbeutungslobbyisten und ihrer Mitläufer auch anschaulich Lügen."

Tatsache ist, wer so verantwortungslos handelt, Kinder unvegan zu ernähren, schadet ihnen nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Denn dadurch werden Kinder zu Tierausbeutern geformt, die dem Leid und Tod anderer gleichgültig gegenüberstehen, zumindest aber, wenn sie nicht völlig gefühlskalt sind, mit einer kognitiven Dissonanz.

Weitere Informationen zum Weltvegantag siehe http://veganismus.de/weltvegantag.

[Quelle: http://www.maqi.de/presse/weltvegantag2009.html]